Sarawak und Sabah

Sarawak und Sabah sind die beiden Regionen im Westen und im Osten malaiisch Borneos. Die Reise startet von Kuching in Sarawak über Brunei Darussalam nach Sandakan in Sabah. Als ich im Bericht über Kuala Lumpur über unsere Panne schrieb und dort beim Überarbeiten das Wort ‚bisher‘ eingefügt habe, hatte ich keine Ahnung was noch passieren würde. Ich hatte kurz überlegt, was alles möglich sein könnte. Aber auf die echte Panne, die uns dann ereilte, waren wir nicht vorbereitet.

Über die Masse an Eierkartons hier muss man sich nicht wundern. Es wird hier immer und einfach zu fast jedem Gericht Ei gegessen.

Wir sind bereits 10 Stunden unterwegs gewesen, hatten Stau an der Grenze, Probleme bei der Einreise und schwierige Bedingungen auf der Straße. Nach Sabah fährt man durch das Gebirge, vorbei am höchsten Berg Borneos und Malaysias, dem Mount Kinabalu. Ein fantastischer Ausblick.

Mount Kinabalu, 4.095 m

Die Serpentinen ziehen sich, die Straße ist voller tiefer Gräben, Schlaglöcher und asphaltierter Ausbeulungen und immer wieder Schotterabschnitte.

Dann ist die Dunkelheit eingebrochen, Straßenbeleuchtung gibt es keine und dazu gesellt sich ein Gewitter mit heftigen Regenschauern. Die Wärme bildet Nebel auf der Straße, es gibt kaum Sicht. Schon gar nicht, wenn Gegenverkehr ist. Wir reden über den Plan für morgen, die Stimmung ist ausgelassen, wir machen das Beste aus der Situation. Da erhellt ein Blitz den ganzen Himmel, ein LKW nimmt mit recht hoher Geschwindigkeit viel Fahrbahn ein und dann knallt und rummst es laut. Ein tiefes, mit Regen gefülltes Schlagloch haben wir erwischt. Ein Schock, dann Hoffnung – einfach weiter fahren und machen als sei nichts geschehen – und dann das langsame Eintreten der Realität: das Auto fährt nicht mehr wie es sollte. Alles spielt sich innerhalb weniger Sekunden im Kopf ab. Wir steigen aus: beide Reifen platt und natürlich nur ein Ersatzreifen. Wie soll es anders sein. Die Erkenntnis sickert nur ganz, ganz langsam durch. Wo sind wir hier? Wie kommen wir hier wieder weg? Schlafen wir heute hier in den Bergen umgeben von einigen riesigen, nachtaktiven Insekten?

Es ist klar, wir brauchen Hilfe. Im strömenden Regen versuchen wir, andere Autos anzuhalten, wenn denn welche vorbeikommen. Irgendwann hält ein Auto mit drei jungen Männern, von denen niemand Englisch spricht. Irgendwie können wir erklären was los ist, die platten Reifen erklären sich auch von selbst. Die drei haben einen Freund mit Abschlepper, den sie für uns anrufen. Mit Zweigen aus dem angrenzenden Dschungel haben die Männer die beiden Autos und die Gefahrenstelle gesichert.

Nach einer weiteren Stunde in Dunkelheit und Regen ist der Abschlepper da und bringt uns mit noch einer weiteren Stunde Fahrtzeit in den nächst gelegenen Ort zu einer Werkstatt, die natürlich erst morgens wieder öffnet. Aber immerhin, denn der nächste Tag ist ein Sonntag. Wir sind abgelegen, es spricht niemand Englisch, aber irgendwie kommen wir durch.

In der Folge des Unfalls haben wir unfassbares Glück im Unglück. Dass die Männer gleich jemanden mit Abschlepper rufen konnten, dass in der Nähe der Werkstatt ein ATM ist, denn der Abschlepper nimmt nur Cash. Dass um die Ecke ein Motel ist (eine ganz fiese Absteige, aber immerhin ein Bett) und dass hier sonntags gearbeitet wird. In Brunei ist freitags und sonntags Wochenende und alles geschlossen. In Borneo gibt es so etwas wie Wochenende nicht. Am nächsten Morgen erneutes Bangen. Ist es möglich die Reifen einfach nur aufzublasen oder muss getauscht werden? Wenn sie ausgetauscht werden müssen, hat dieses kleine Dorf mit dieser kleinen Werkstatt dann auch passende Reifen da? Erscheint uns unwahrscheinlich.

Am nächsten Morgen kann die Werkstatt innerhalb einer Stunde die Reifen wechseln – sie hat glücklicherweise auch die passenden Reifen da – und unsere Fahrt kann weiter gehen. Wir haben wieder Sicht und besseres Wetter.

Erste Destination im zauberhaften Borneo ist Kuching und der Bako Nationalpark. Kuching heißt übersetzt Katze, was die Stadt veranlasst hat, sich mit erstaunlich vielen Statuen in der ganzen Stadt und einem Museum zu schmücken.

Von Juli bis August feiert man hier das Kuching-Festival mit einem riesigen Essensmarkt, der auch so einiges Kurioses zu bieten hat. Außerdem musische und kulturelle Darbietungen.

Eine einladende Promenade schmückt das Flussufer von Kuching und lädt zu Spaziergängen ein.

Von Kuching aus geht es in den Bako Nationalpark, der für seine Artenvielfalt bekannt ist. Hier geht es an Orchideen und Becherpflanzen vorbei zu Nasenaffen, Silbernen Haubenlanguren, Colugos oder auch Flattermakis genannt und Bartschweinen.

Makaken stibitzen den Orang-Utans das Futter

Winkerkrabbe

Die grüne Bambusotter ist giftig und ein Biss lebensbedrohlich

Colugo mit Baby

Die Silbernen Haubenlanguren haben in Borneo den Spitznamen David Beckham, weil er bei einem seiner weltberühmten Fußballspiele die gleiche Frisur getragen hat, wie die Affen.

Die runden Bäuche der Nasenaffen beherbergen zwei Mägen, die mit Bakterien gefüllt sind. Diese helfen ihnen Nährstoffe aus der unverdaulichen Vegetation herauszulösen. Der Nasenaffe wird hier aufgrund seines menschlichen und witzigen Aussehens, seiner Haltung und der Weste, die er zu tragen scheint auch Dutchman genannt.

Regenwaldhonig aus Borneo heißt auch Tualang Honig, weil er von Bienen aus den Blüten des Tualang Baumes gewonnen wird. Er ist selten und das macht den Honig hier auch entsprechend teuer. Er hat einen intensiven Geschmack und soll besondere gesundheitliche Vorteile haben.

Honigwabe

Wilder Pfeffer

Die Nationalparks sind nur mit einem Boot erreichbar.

Letzter Spot einer langen Reise ist Sandakan in der Region Sabah, im Osten malaiisch Borneos. Leider lässt sich der Eindruck des unbeschreiblichen Grüns des Dschungels nicht einfangen. Bilder können nicht wiedergeben, wie grün und wild die Natur hier auf Borneo ist.

Malaysia hat ein spezielles Probleme mit dem Schmuggel lebender Tiere und Teilen von Tieren. Die Gegend gilt auch als Transitpunkt für illegal gehandeltes Elfenbein. Dabei sind Schuppentiere die am meisten gehandelten Tiere, obwohl diese in Malaysia unter Schutz stehen. Ihren Schuppen werden Heilkräfte zugeschrieben und sie bringen viel Geld ein. Wir haben die ein oder andere Situation beobachtet, in der Vögel nicht artgerecht gehalten oder zu monetären Zwecken benutzt worden sind. Was man tun kann ist, vorsichtig vorgehen und lokal kaufen, Ökotourismus-Initiativen unterstützen, damit Geld in deren Kassen kommt, lokal Trekkingführer anmieten oder Pate werden zum Beispiel.

Der Malaienbär steht an zweiter Stelle der bedrohten Bärenarten weltweit. Mit 1,50 Meter Körpergröße und 60 Kilogramm ist er der kleinste Bär der Welt. In Asien wird der Malaienbär gefangen und getötet. Das Fleisch wird gegessen und die Organe für chinesische Medizin entnommen.

In Borneo sind auch Orang-Utans zu Hause, die man in ihrem natürlichen Lebensraum in einem Rehabilitationscenter beobachten kann. Orang-Utan bedeutet wörtlich Waldmensch, was ein Hinweis darauf ist, wie die indigene Bevölkerung diesem Affen gegenüberstand – sie wurden nie gejagt.

Sie sind kess, niedlich anzusehen, aber recht gefährlich, da sie sich nehmen was nicht angebunden ist, wenn sie vermuten es könnte Futter sein. Zeigt man ihnen die Zähne – zum Beispiel weil man lächelt – interpretieren sie dies als Angriff. Schreien und Augenkontakt sind ebenso problematisch. Auf Plastiktüten reagieren sie, weil sie gelernt haben, dass das des Menschen Aufbewahrungsort für Nahrung ist. Es geht um die Makaken, in Borneo auch als Gangster-Monkey bezeichnet.

Das war’s von uns und unserer Reise durch Singapur, Malaysia und Borneo, die uns unbeschreiblich viele Eindrücke beschert hat. Vielen Dank fürs Dabeisein, Folgen, Kommentieren und Lesen 💕

Selamat tinggal!

6 Gedanken zu “Sarawak und Sabah

  1. habt ihr doch noch ein richtiges krasses Abenteuer am anderen der Welt erfahren 👋 und man könnte ja fast meinen, ihr habt den Urlaub um die Kulinarik geplant 😜

    nun kommt mal sicher wieder heim 🤗🤗🤗

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  2. Kurzfristig ist mir der Atem gestockt bei eurer Unfallbeschreibung, aber glücklicherweise ist alles gut ausgegangen. Danke, dass ich wieder mit euch auf die Reise gehen konnte. Kommt nochmal gut zurück.

    LG Petra

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    • Uns auch, Petra! Diese Sekunden oder Minuten in denen man realisiert, in welcher Situation man da gelandet ist und nicht weiß, wie und wann es weitergeht 🙈😱
      Bleibende Erinnerungen 😉
      Vielen Dank für das treue Begleiten und Dabeisein ❣️

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  3. Wouw und jetzt noch so ein grasses Erlebnis – mitten in der Wildnis unter Tausendfüßlern. Oh welche Aufregung 🫥. Aber offensichtlich alles gut überstanden 👏🏻👐🏻🙌🏻 Die kulinarische Belohnung finde ich eine echte Herausforderung – Krabben sind das keine! 😁

    Kommt gut zurück! ✊🏻

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  4. Pingback: MatschFinder

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