Brunei Darussalam

Brunei beherrschte als frühere Seemacht ganz Borneo und Teile der Philippinen. Heute ist das Sultanat gerade einmal 5.765 Quadratkilometern groß und besitzt in Australien eine Viehfarm, die größer als das Land selbst ist.

Ebenso hat das Land die größten Ölfelder in ganz Südostasien. In 30 Jahren ungefähr sollen diese jedoch versiegen, was Brunei vor die Herausforderung stellt, andere Wirtschaftsquellen erschließen zu müssen. Darussalam ist arabisch und bedeutet „Wohnsitz des Friedens“. Es ist hier unglaublich ruhig auf den Straßen dieser Hauptstadt und scheint sehr friedlich zu sein.

Bruneis Ölraffinerie

Die Reise nach Brunei zu planen oder auch die Einreise selbst vorzubereiten war nicht gerade einfach. Zuerst einmal muss man die Einreise selbst offiziell registrieren und sich des Weiteren für ein Visum anmelden. Dann kommt es noch darauf an wie man einreist. Fährt man mit einem Auto über die Grenze nach Brunei durchläuft man erneut einen Registrierungsprozess, bei dem jedes denkbare Detail über das Fahrzeug anzugeben ist. Die Reise mit dem Auto über Land scheint sehr ungewöhnlich zu sein, das haben wir immer wieder an den Reaktionen unserer Gegenüber gemerkt. Bereits bei der Anmeldung wird man auf die Todesstrafe bei Drogenhandel aufmerksam gemacht.

Die Todesstrafe gibt es zum einen im allgemeinen Strafrecht durch Hängen und zum anderen im islamischen Scharia-Gesetz die Steinigung zum Bespiel im Falle von Ehebruch. Diese im Jahr 2019 neu eingeführten strengen Scharia-Gesetze haben weltweit Besorgnis erregt. Recherchen und Berichten zufolge soll die Todesstrafe durch Steinigung nicht umgesetzt worden sein. Wir konnten keine Hinweise auf Umsetzung finden.

Scharia-Gericht

Ein Bruneier hat uns – auch ein bisschen stolz – davon berichtet, dass es keine Krankenversicherung in seinem Land gäbe. Eine Behandlung im Krankenhaus koste einen Brunei-Dollar (circa 0,65 Cent) und Medikamente seien frei. Außerdem hat er erzählt, dass hier jeder Einzelne mehrere Autos hätte. Ein alltägliches, eines für Urlaub und eines für besondere Anlässe zum Beispiel. Eine mehrköpfige Familie kommt damit auf einen beachtlichen Fuhrpark.

Die für Borneo typischen Langhäuser beherbergen viele Familien unter einem Dach. Mancherorts können ganze Gemeinden in einem Langhaus untergebracht sein.

Alkohol ist ebenso streng limitiert. An der Grenze wurden wir als erstes gefragt, ob wir Alkohol dabei hätten. Touristen und Nicht-Muslime dürfen eine begrenzte Menge zum Eigenkonsum einführen (1L Bier oder Wein pro Person). Brunei gilt als trockenes Land – hier gibt es weder in Cafés oder Bars noch in Restaurants Alkohol. Der öffentliche Konsum ist strengstens untersagt.

Aber nun zu Brunei selbst. Die Hauptstadt Bandar Seri Begawan macht einen sehr aufgeräumten Eindruck. Im Gegensatz zum allzeit geschäftigen Kuala Lumpur, in dem die Hauptstadt überfüllt und quirlig ist, scheint hier alles sehr geordnet und fast leer. Nähert man sich als Fußgänger einem Überweg, bleiben die Autos umgehend stehen. Ein Nachtleben gibt es hier im Grunde nicht. Es dreht sich alles hauptsächlich ums Essen und Einkaufen.

Ambuyat: Bruneis Spezialgericht ist ein wackeliger, weißer Glibber, den man auf Stäbchen aufrollt und dann in einen Dip tunkt. Das wird ohne Kauen geschluckt. Das hat man uns gegenüber mehrfach betont. Nicht kauen! Dazu gibt’s kleine Portionen von Fleisch, Fisch und Gemüse.

Die Hauptstadt hat nicht gerade viel zu bieten, es gibt ein paar Museen und eine wirklich sehr prunkvoll erbaute Moschee, deren Minarett das höchste Gebäude der Stadt ist und auch bleiben soll. Eine Bank, die beim Bau ihres Geschäftsgebäudes die Höhe der Moschee übertroffen hat, wurde vom Sultan angewiesen, das oberste Stockwerk wieder zurückzubauen. Die Omar Ali Saifuddien Moschee ist von einer künstlichen Lagune umgeben. Der Innenbereich ist prunkvoll ausgestattet mit italienischem Mamor, Kronleuchtern aus England und Teppichen aus Saudi-Arabien. Die Hauptkuppel schmückt ein Glasmosaik aus 3,5 Millionen Einzelstücken mit echtem Blattgold.

Im Royal Regalia Museum ist das Leben der royalen Familie und vor allem der Werdegang des Sultans ausgestellt. Einschließlich Fotos und Darstellungen seiner sportlichen Aktivitäten. Dabei wird auch stets die Macht in Form militärischer Reliquien dargeboten. Zudem sind die Geschenke, die andere Staatsoberhäupter dem Sultan bei Besuch gemacht haben ausgestellt. Deutschland hatte bisher keine Audienz.

In jedem Lokal, wir meinen gehört zu haben auch in jedem Haus, hängt ein Bild vom Sultan und der Königin.

Am ersten Abend haben wir uns über die wunderschöne Beleuchtung in der Innenstadt unterhalten und die Festivalatmosphäre bemerkt. Wir haben uns gefragt, ob das einfach so ist, wenn man als Land viel Öl und damit unglaublich viel Energie und Geld hat. Es hat sich herausgestellt, es ist die einmonatige Feierlichkeit des Geburtags von „seiner Majestät dem Sultan“. Jedes Jahr wird zu seinem Geburtstag die Stadt dekoriert, überall hängen Schilder mit seinem Alter. Anlässlich seines Geburtstags bereist er einen Monat lang jeden Distrikt und lädt in eigens dafür vorgesehene Festzelte ein. Natürlich kommt der Sultan mit seinem Black Hawk Hubschrauber, den er selbst fliegt.

Der vollständige Name des Sultans lautet: Sultan Haji Hassanal Bolkiah Mu’izzaddin Waddaulah ibni Al-Marhum Sultan Haji Omar ‚Ali Saifuddien Sa’adul Khairi Waddien.

Südlich des Flusses Sungai Brunei liegt Kampong Ayer, die aus 42 Pfahldörfern bestehende größte Pfahlsiedlung der Welt. Hier kann man einen Einblick in das alte malaiische Leben erhaschen. Die einzige Verbindung nach Kampong Ayer sind die sogenannten Wassertaxis. Viele Bruneier bevorzugen den Lebensstil im Wasserdorf und so hat das Dorf 30.000 Einwohner inklusive Schulen, Sportplätzen, einer Feuerwehr, eine Polizeistation und auch eine eigene Moschee.

Feuerwehr

Fährt man mit einem Wassertaxi nach Kampong Ayer und in die Magrovenwälder kann man vom Fluss den Hauptwohnsitz des Sultans sehen. Dieser ist mit 1.788 Zimmern ausgestattet. Während der Feierlichkeiten am Ende des Ramadans ist der Palast für alle Besucher geöffnet. Angelehnt an eine lokale Tradition, einen Tag der offenen Tür zu veranstalten, öffnet der Palast drei Tage, ohne dass es einer Einladung bedarf, jedem die Tür. Es gibt ein kostenloses Bankett und dann kann man, in nach Geschlechtern getrennten Warteschlangen, sich für ein Händeschütteln aufmachen. Nach mehreren Stunden Wartezeit kann man als Mann dem Sultan und als Frau der Königin die Hand schütteln, bekommt eine Geschenkbox (natürlich mit einem Bild vom Sultan darin) und so schütteln die beiden während dieser Feierlichkeiten täglich fast 50.000 Hände.

In den Mangroven am Sungai Brunei kann man mit etwas Glück Krokodile und Nasenaffen beobachten.

Rund 75 % von Brunei sind noch durch ursprünglichen Wald bedeckt. Dank der Ölfelder in Brunei wurde der Regenwald nicht für Palmölplantagen abgeholzt; die Wildnis wurde dadurch quasi konserviert. Es gibt hier viele alte Urwälder, einer davon ist der Ulu Temburong. Der Regenwald ist hier unberührt und für Touristen nur mit Führung und nur in einem sehr kleinen Bereich betretbar. Der Rest ist nur für Wissenschaftler zugänglich. Hier kann man 1.000 Stufen erklimmen und gelangt ganz oben über ein recht hohes Gerüst, das man hinauf klettern muss, bis über die Baumwipfeln. Der Ausblick ist spektakulär.

Doppelhornvögel und Borneo-Gibbons kann man hier jederzeit hören, aber nur in den seltensten Fällen sehen.

Wilde Banane

Am Wasserfall gibt es zum Abschluss noch eine kleine Massage von Welsen, die für eine kitzelige Pediküre sorgen.

Man gibt sich hier sehr aufgeschlossen und wir Touristen wurden unglaublich freundlich aufgenommen und zuvorkommend behandelt. Brunei hat sich als toller Gastgeber präsentiert.

Die Jame‘Asr Hassanil Bolkiah Moschee ist die größte Bruneis. Da der jetzige Sultan der 29. seiner Dynastie ist, wurde die 1992 erbaute Moschee mit 29 goldenen Kuppeln geschmückt. Der Sultan hat seine eigene Rolltreppe an seinem privaten Eingang.

Was sagt ihr zu Brunei? Die freundliche und willkommen Atmosphäre hat uns hier wirklich sehr bewegt.

12 Gedanken zu “Brunei Darussalam

  1. Hallo ihr Lieben,

    sehr interessant, ich muss allerdings gestehen, dass mich so strenge Gesetze und Sultanverehrungen immer abschrecken. Ich hätte wahrscheinlich oft Angst, etwas falsch zu machen.

    Die friedliche Stimmung und die Gastfreundlichkeit, die ihr erleben durftet sind natürlich toll.

    Besonders schön finde ich den Wald mit seinen Bewohnern. Ich frage mich allerdings, ob er erhalten bleibt, wenn die Ölreserven zu neige gehen.

    Mich interessiert noch, aus was der Glibber gemacht wird und wonach er schmeckt.

    Viele Grüße in die Ferne

    Kerstin

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    • Das ging uns ganz genauso. Wir haben uns die ganze Zeit gefragt, ob alle friedlich sind, weil sie hörig sind und Angst haben. Aber die Todesstrafe gibt es ja vielerorts.

      Nichts desto trotz haben wir auch darauf geachtet nichts falsch zu machen und beim Betreten des Rasens im Park (in dem sonst kein Mensch war) immer überlegt, ob man das jetzt darf.

      Manchmal haben wir Witze über die Verehrung gemacht, aber in dem Museum haben wir uns das nicht getraut. Da war man auch eher streng drauf.

      Der Glibber ist aus Sago, das ist eine Wurzel und die hat kaum Eigengeschmack. Die Sauce macht den Geschmack und die ist eher gewöhnungsbedürftig.

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  4. tolle Tiere und wieder so beeindruckende Bauwerke! Die Bilder erfreuen das Auge und der Text füttert das Gehirn auf schmackhafte Weise 🙂 die totalitäre Abstinenz schreckt mich allerdings ab – und hoffentlich hat die WHO die Opfer der Todesstrafe nach Besitz, Konsum und Handel rausgerechnet 😉 das Ziel erscheint ja moralisch begründet, der Weg eher nicht

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  5. 🥰Wie spannend und schön – wieder neue Welten 🤗💕 Ich finde die Moschee beeindruckend.. genauso wie der vollständige Name des Sultans 👍☺️ Das Essen, jedenfalls das Spezialgericht scheint mir eher abschreckend 🙈 Genauso das Strafrecht, habe aus Interesse nachgeschaut – müssten 56 Länder mit fest verankerter und praktizierter Todesstrafe sein.. gar nicht so unbeachtlich. Die Natur und Wälder sehen wirklich unberührt und beeindruckend aus – und wieder diese Äffchen 🐒

    Ganz liebe Grüße

    Theo

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    • Ja, es sind einige mit Todesstrafe. Auch die Praxis des Hängens ist glaube ich kein Einzelfall. Cool, dass du recherchiert hast. Aber Steinigung und Gliedmaßen abhacken bei Diebstahl ist schon besonders schrecklich und unmenschlich. Du konntest nicht zufällig etwas darüber rausfinden?

      Im nächsten Beitrag wird es vor Äffchen wimmeln 😉😘

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  6. 🥰Wie spannend und schön – wieder neue Welten 🤗💕 Ich finde die Moschee beeindruckend.. genauso wie der vollständige Name des Sultans 👍☺️ Das Essen, jedenfalls das Spezialgericht scheint mir eher abschreckend 🙈 Genauso das Strafrecht, habe aus Interesse nachgeschaut – müssten 56 Länder mit fest verankerter und praktizierter Todesstrafe sein.. gar nicht so unbeachtlich. Die Natur und Wälder sehen wirklich unberührt und beeindruckend aus – und wieder diese Äffchen 🐒

    Ganz liebe Grüße

    Theo

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